Rote Bäume im Wäberhölzli - was soll das?

Manche Waldgänger im Wäberhölzli fragen sich, warum jetzt so viele Bäume gefällt werden, nachdem wir im Juni des letzten Jahres die Deponie abgelehnt hatten. Die Waldarbeiten haben ihre Berechtigung. Hier erscheint die Erklärung, die vor einigen Wochen im Wäberhölzli-Internet publiziert wurde.

 

Vor ein paar Wochen wurden im Wäberhölzli zahlreiche, aber nicht alle Bäume rosarot markiert. „Was hat das zu bedeuten?“ fragten einige Spaziergängerinnen und Spaziergänger im Internet und in E-Mails. Ich habe die Frage auch Herrn Bruno Staudacher, Leiter Forstbetrieb und Revierförster Rheinfelden gestellt und diese umfassende Antwort bekommen:

Vitale Bäume (weisses Band) und Konkurrenten (rot markiert)
Vitale Bäume (weisses Band) und Konkurrenten (rot markiert)

In den meisten Teilen des Wäberhölzlis wurden seit längerem keine Durchforstungsarbeiten mehr durchgeführt. Diesen Herbst und Winter sollen nun wieder welche stattfinden. Die Arbeiten haben zum Ziel, die vitalsten und besten Bäumen, welche mit weissem Markierungsband gekennzeichnet sind, in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Die rosarot markierten Bäume sind deren stärksten Konkurrenten; sie werden gefällt. Dank den entstandenen Lücken erhalten die verbleibenden Bäume mehr Licht und Kronenraum für eine gesunde Entwicklung. 

Ohne diese Arbeiten würden die Bäume einen Verdrängungskampf um das lebenswichtige Sonnenlicht gegeneinander führen. Diese natürliche Entwicklung hat jedoch meistens zur Folge, dass die Baumbestände mit der Zeit ein ungünstiges Verhältnis von Baumhöhe zu Stammdurchmesser entwickeln und instabil werden. So steigt mit der Zeit das Risiko, dass die Bestände infolge von Sturm oder Nassschnee umfallen. Waldflächen welche einmal instabil sind, können kaum noch korrigiert werden. Oft stehen die Bäume nur noch, weil sie durch Dichtstand gegenseitig gestützt werden. Um die Stabilität solcher Bestände zu fördern müssten die Bäume dringend grössere Kronen ausbilden. Würden die dafür notwendigen Lücken freigeschnitten, wird jedoch die gegenseitige Stütze entfernt. Die natürliche Entwicklung von Wäldern einschliesslich der Zerfallsphase lassen wir gezielt in ausgewählten und dafür geeigneten Waldflächen zu. In den übrigen Gebieten möchten wir durch vorausschauende und regelmässige Eingriffe das Risiko für Waldschäden begrenzen und ausgewählte Bäume gezielt in ihrer Entwicklung fördern. 

Blick in eine Rückgasse
Blick in eine Rückgasse

 

Für die Durchforstungsarbeiten werden Forstmaschinen eingesetzt, welche auch auf den von den ‚normalen’ Waldwegen abgehenden, gut sichtbaren, nicht befestigten, etwa 3 Meter breiten Wegen, so genannten Rückgassen, fahren. So gelangen die Maschinen in die Tiefe des Waldes. Die Rückgassen sind auch markiert, jedoch weiss. Diese Markierungen sind sozusagen Wegweiser für die Fahrer der Maschinen. Rückgassen dienen dazu, die Waldbodenfläche, welche durch die schweren Maschinen verdichtet werden können, auf das absolute Minimum zu beschränken. Bei den vorangegangen, den aktuellen und den kommenden Durchforstungsarbeiten werden immer wieder dieselben Fahrgassen verwendet.

Hier wurde schon früher durchforstet
Hier wurde schon früher durchforstet

Gemäss dem Bewirtschaftungskonzept der Forstverwaltung sind pro Waldgebiet nur jedes dritte Jahr Baumfällarbeiten geplant. Im grösserem Umfang wie dieses Jahr im Wäberhölzli nur alle 6 Jahre. Im Waldgebiet Unteri Rüchi, südlich der Riburgerstrasse wurden letztes Jahr diese Arbeiten ausgeführt. Da die Grösse und Form einer Baumkrone etwas über die Entstehungsgeschichte eines Baumes verrät und massgeblich die weitere Entwicklung prägt, lohnt sich bei Waldspaziergängen der Blick in die Baumkronen.