Kieswirtschaft statt Landwirtschaft?

Einigermassen überraschend erschienen gegen Ende März die Kiesprojekte über Rheinfelden Horizont. Weniger überraschend war, wie das geschah: In der lokalen und regionalen Presse, einfach so als ganz normale Meldung unter anderen. Respekt, die Verantwortlichen hielten dicht, darum schlug die Meldung dann ein wie eine Bombe.

 

Die einen haben Erdöl oder Kobalt oder sonst etwas Kostbares im Boden. Rheinfelden hat Kies. Der ist auch wertvoll, vor allem in Zeiten ungebremsten Bauens. In Erinnerung vieler Rheinfelder ist die Grube im Wäberhölzli, deren Inhalt jetzt als Autobahn zum Bölchen dem Autoverkehr dient. Die Ausbeutung brachte erkleckliche Beträge in die Kassen der Stadt und der Ortsbürger. 

Jetzt setzen Ortsbürger, der Gemeinderat und die Neumatt AG (Familie Habich) zusammen mit Holcim auf eine Renaissance des Kiesdeals. Die Initianten erwarten von der Einwohnergemeinde im Juni den Segen zu diesem Deal. Der ist an sich nicht anrüchig, einfach legal. Schliesslich gilt hierzulande Handels- und Gewerbefreiheit. Was irritiert ist das Wie. Warum?

 

Positionen der Initianten

 

Abbau und Aufarbeitung nahe beieinander - ökologisch sinnvoll

 

Zu- und Wegfahrt über Umfahrungsstrasse und über Autobahn

 

Förderband zwischen Kiesgrube und Kiesaufarbeitung

 

Das Kieswerk ist weit von Wohngebieten entfernt und von Wald umgeben

 

Holcim informiert regelmässig, zieht aber der Planung alle Beteiligten ein

 

Die Umwelt soll geschützt werden 

 

Der Kiesabbau wird den Ortsbürgern und der Einwohnergemeinde mehrere Millionen Franken Ertrag bescheren

unsere Sicht

 

Täglich bis 350 Lastwagenfahrten sind starke zusätzliche Belastung

 

Am Anfang erfolgt Transport zwischen Abbau und Kieswerk mit Lastwagen,     erst später  mit Förderband - wann ist später?

 

Der Kanton empfiehlt (Wohn-)Bauzonen nahe an bestehender Verkehrsinfra-struktur - z. B. in der Oberen Rütenen. Dort besteht noch für Jahrzehnte eine Kiesgrube. Darum muss das Grossgrüt als Erholungsgebiet erhalten bleiben.

 

Seit März wird am Raumentwicklungskonzept (REK) gearbeitet. Es deckt den Zeithorizont bis ca. 2040 ab. Ein Aspekt des Konzepts ist die Festlegung des zukünftigen Zonen und Nutzungsplans. Das Kiesprojekt deckt einen Zeithorizont wie über 2040 hinaus ab. Es ist nicht nachvollziehbar, warum wegweisende Entscheide für die Kieswirtschaft getroffen werden sollen, bevor das REK von den Stimmbürgern verabschiedet wird.


Ein grosses Fragezeichen setzen wir hinter die Frage, wie die Debatte um die Kieswirtschaft aufgegleist wurde. Die Information der Öffentlichkeit erfolgte nur wenige Wochen, nachdem der Gemeinderat den Start zur Erarbeitung eines Raumentwicklungskonzepts (REK) freigab. Dieses deckt einen Zeithorizont bis etwa 2040 ab und soll unter anderem Bau- und Nutzungszonen festlegen. Dagegen reicht das Kiesprojekt weit über diesen Zeithorizont hinaus - vereinzelt wurden Jahreszahlen um 2070 herumgereicht. Da werden jetzt also die Weichen für Generationen nach uns gestellt. Es ist nicht nachvollziehbar, warum wegweisende Entscheide für die Kieswirtschaft getroffen werden sollen, bevor das REK von den Stimmbürgern verabschiedet worden ist.