Verdichtetes Bauen - ein neuer Modetrend?

"Bringt uns verdichtetes Bauen weiter - oder verbauen wir uns die Zukunft?" Unter diesem Titel findet um 19 Uhr des 5. September 2018 in der Stadtbibliothek an der Marktgasse 10 B in Rheinfelden eine Diskussionsrunde mit zwei hochkarätigen Referenten statt. Bauliche Verdichtung bei einer stetig wachsenden Bevölkerung in einem Land mit beschränkten Landreserven topaktuell. Jürg Keller hat sich darüber in Form einer Glosse Gedanken gemacht.

 

Vermutlich bewirkt „Verdichtung“ ebenso viel Unheil wie etwa „Nachhaltigkeit“. Die Projektskizze eines Hochhhauses beim Lok-Kreisel von Dudler zeigt, wie das gehen könnte: Die architektonische Hässlichkeit wird einfach so hochgehoben, dass sie unübersehbar wird. Die Verdichtung würde somit für alle Rheinfelder sichtbar, also nachhaltig geschmacksbildend sein. Der Mensch ist ein Lebewesen mit einigen Fixgrössen: Architekten halten ihn aber wie Plastillin verformbar. Kaninchenställe sind bereits den Kaninchen ein Fall für das Tierschutzgesetz, dies dürfte auch auf den Menschen zutreffen, auch wenn es kein Menschschutzgesetz gibt.

 

Es geht bei der Verdichtung darum, dass die Zahl von 10-12 Mio Schweizern so untergebracht werden kann, dass noch etwas Platz für Vegetation übrigbleibt. Hohe Kaninchenställe sind dabei naheliegende Lösungen: Bei den geplanten Fussballstadien in Zürich oder Aarau hat man solche Klötzchen vorgesehen. Sie sind ästhetisch so aufregend, dass man nicht an den Rückbau zu denken wagt: Man wird ihn nie mehr erleben können, weil der Heimatschutz jede Hoffnung auf eine Erlösung von diesen Scheusslichkeiten vernichten wird.

 

Es ginge auch anders. Zuerst aber müsste man sich das damit einhergehende Nullsummenspiel vor Augen halten: Man schont mit der Verdichtung das Umland, schüttet dann aber die Unmengen an Aushub präzise auf das geschonte Umland. Der Gewinn der Verdichtung wird also von den Unverdichteten bezahlt, es gibt also -wie in einem Urwald - gar keinen Gewinn. Ein solch bleibender Zustand kann fast der Definition entsprechend als nachhaltig bezeichnet werden: Man schadet und nützt nichts. Dies umso mehr, als die Bewohner der oberen Stockwerke möglicherweise statt einer den Namen verdienenden Aussicht genau auf die Aushubdeponie ihres Hauses blicken müssten. Es wäre dann also so, wie wenn die Kläranlage der Hochhausbewohner in Sichtweise stünde und bei geeigneter Windrichtung den Gestank, den man mit der WC-Anlage eigentlich zu bannen meinte, postwendend zurück erhielte.

 

Die Verdichtung hat auch noch andere Problempunkte: Von den Islamisten, die an der ETH in die Funktionen eines Passagierflugzeuges eingeweiht wurden, möchte ich hier schweigen: In unserer Flugzeugdichte wird ein bloss angelernter Ingenieur kaum das richtige Hochhaus erwischen, sondern vermutlich den Aussichtsturm auf dem Üetliberg umlegen.

 

Schwerwiegender dürfte der Rheingraben sein: Bekanntlich hat sich das Verbindungsstück zwischen Vogesen und Schwarzwald bis jetzt um 3000 m gesenkt und dabei nicht nur den Vulkan im Kaiserstuhl entstehen lassen, sondern auch solche im entfernten Hegau (Hohentwiel) entzündet. Zusätzlich wurde dabei in Rheinfelden das Gestein so lange durchgerüttelt, bis der Rhein endlich den Weg zum Rheinknie fand. Dazu wurden vor bald 2000 Jahren das sehr solide Militärlager in Kaiseraugst halb zerstörte, 1356 Basel zerbröckelt - und einer solchen Energiebombe soll man jetzt wehrlose Hochhäuser in den Rachen werfen? Dass dabei v.a. Expats dran glauben müssten, wäre nur der SVP ein Trost, bereits die FDP würde bange auf die schwindsüchtigen Aktienkurse der Roche starren.

 

Fazit: Risikobewusste „Verdichter“ sollten das Lager wechseln und den „Ausbreitern“ beitreten: Eine Einfamilienhausstadt von Sankt Margrethen bis Genf würde dem Gebot der Risikoverteilung ideal entsprechen. Und weil dann alle Maisfelder überbaut wären, entfielen dem Staat Milliarden an Subventionsgeldern. Steuersenkungen wären die Folge – und was wünscht man sich hierzulande sehnlichster? (Der Gemeinderat wäre natürlich dagegen, weil er die Marktgasse noch mit Carrara-Marmor auslegen möchte).

 

Eine weitere Ersparnis wäre militärischer Art: Im Meer von Einfamilienhäusern würden die MIG-Piloten vermutlich den Flughafen Kloten gar nicht finden, sondern beispielsweise im Birrfeld landen. Von diesem Platz aus können aber nur Kleinflugzeuge starten, die MIGs müssten also auf dem Rasen, in dem sie stecken blieben, auch wirklich bleiben. Die Schweiz käme so gratis zu einer ganzen Jet-Flotte. Schneider-Amman wäre natürlich bereit, mit seinen vielen Baumaschinen die Piste im Birrfeld MIG-tauglich zu verlängern. Würde man während der Bauzeit die Russen mit genügend gebrannten Wassern versorgen, wäre auch die Fluchtgefahr gebannt. Wenn sich aber keine Schweizer Piloten in die MIGs getrauten, wären diese bestimmt teuer an die USA zu verkaufen. Damit hätte man dann tapfer für den Endsieg des Westens über die Slawen gesorgt, und könnte in Luzern ein zweites Löwendenkmal errichten: „Heldenhaft gegen die Verdichter zum Sieg“.

 

 

Summa: Wenn schon Dichtung, dann nicht Verdichtung, sondern eine dichte EFH-Bebauung, in der es keinen Platz mehr für Sommerfeste gibt. Das würde übrigens auch die Polizei entlasten: In Rheinfelden könnte man dann den Bestand von 1 1/2 Mann auf 25% Stellenprozente senken.

 

Jürg Keller, Rheinfelden