Die Hitzewelle ist vorbei - jetzt handeln!

Der Sommer verabschiedet sich. Sonnenanbeter, Beizer, Festhütten, Bierbrauer, selbst die Tourismus-Industrie bedanken sich, das Geschäft lief ausgezeichnet. Mit der Wärme - oder Hitze, je nach persönlicher Perspektive - ging vielerorts Trockenheit einher, die vor allem Pflanzen und Tieren zu schaffen machte. Hat das etwas mit Klimawandel zu tun? Manches deutet darauf hin. Jürg Keller macht Vorschläge, wie wir vorkehren können, um damit in Zukunft besser zurechtzukommen.

 

Den Klimawandel können wir nicht aufhalten. Wir sind den Hitzewellen oft hilflos ausgeliefert. Ein Beispiel dazu: Die Rheintemperatur knackte im August beinahe die 27-Grad-Marke. Damit entstand ein bedrohlicher Sauerstoffmangel im Wasser, und dieser trieb Riesenwelse an die Oberfläche, wo sie viele Wasservögel packten und verschlangen. Dieses Drama müssen wir akzeptieren: Es gibt (noch?) keine Technik, die den Rhein um die nötigen 3 Grad abkühlen könnte.

Wir haben aber doch einige Möglichkeiten, die schädliche Hitze mit relativ einfachen Mitteln zu dämpfen: Diesen sollte man sich jetzt annehmen und nicht einfach auf den nächsten Schrecken warten.

 

Eine der einfachsten Massnahmen zur Kühlung besteht in einer intensiven Begrünung. Pflanzen verdunsten Wasser und kühlen damit die Umgebung: Bepflanzte Flachdächer und Fassaden (z.B. Kletterpflanzen) wirken wie eine Hitze-Isolation. Strassenzüge sollten mit dichten Reihen (Kronenberührung!) von Alleebäumen bepflanzt werden. Die neue Roberstenstrasse in Rheinfelden braucht deshalb schon jetzt eine «Nachrüstung». Plätze ohne Bäume (z.B. Parkplätze, Kiesgruben, Rodungsflächen) sind Heizplatten, auch Rasenflächen dämpfen die Temperatur wenig; Der hiesige Rheinpark-Ost muss deshalb wieder aufgeforstet werden, wobei Baumgruppen effizienter sind als Einzelbäume.

 

Der Wald kühlt um einige Grade, sofern sein Kronendach schliesst. Er muss deshalb konsequent nach der sogenannten Plenter-Methode bewirtschaftet werden. Das heisst: Ernte von Einzelbäumen, keine Flächenrodungen. Die im November zur Abstimmung kommende «Waldinitiative» (= zusätzliche Subventionen für den Wald) hat nur eine Chance auf Annahme, wenn Waldbesitzer und Förster den Verzicht auf die jetzt üblichen Kahlschläge versprechen. Die Ortsbürger von Basadingen (TG) zeigen mit ihrem preisgekrönten Wald, wie das funktioniert – bei schwarzen Zahlen notabene.

 

Die Kühl-Technik kommt galoppierend voran. Soeben wurde in Uetikon a.S. (ZH) ein Schulhaus eingeweiht, dessen Wärmepumpe alle Schulräume im Sommer und Winter bei 21 Grad halten kann (ab 23 Grad sinkt die Hirnleistung merklich!).

 

Solarpanele werden immer effizienter und billiger. Sie können gleichzeitig Strom produzieren, isolieren und beschatten. In Brütten (ZH) steht ein Mehrfamilienhaus, das völlig mit Solarpanelen eingepackt ist. Es ist energetisch autark und so gut isoliert, dass die Räume im Sommer angenehm temperiert bleiben. In diesem Jahr werden auch Gemüsekulturen mit hoch stehenden Panelen überdeckt: Diese halbdurchsichtigen Panele nehmen nur soviel Lichtenergie weg, dass die darunter gepflanzten Gemüsekulturen noch genug für ihre Aufbauarbeit erhalten.

 

Rheinfelden rühmt sich, eine «Energiestadt» zu sein. Es wäre deshalb angemessen, wenn es sich an den laufenden Forschungen beteiligte. In der Nähe Rheinfelden gibt es eine Fachhochschule und eine Universität, die mit der ETH Zürich eng zusammenarbeitet. Rheinfelden kann fast für jedes Problem Gelegenheiten zu Experimenten anbieten. Dies wäre auch deshalb vernünftig, weil sich Rheinfelden in einer der heissesten Region der Schweiz befindet. Die hier gewonnenen Erkenntnisse kämen dem ganzen Land zugute, wären also der Reputation dienlicher als der Ruf einer «Kiesstadt». Und diese Forschungen wären im Wortsinn auch nachhaltig: Es käme mehr zurück, als man investierte.

 

Jürg Keller, Rheinfelden