Bemerkenswertes Baugesuch

Am 30. Januar erschien in den regionalen Zeitungen ein Baugesuch, dasauf den ersten Blick durchaus alltäglich aussah. Erst beim aufmerksamen Lesen fällt auf, dass es aus dem gewohnten Rahmen fällt. Nicht dass es deswegen bekämpft werden müsste. Ganz im Gegenteil. 

 

Konkret geht es um den Umbau und die Umnutzung des Gasthauses Engel an der Brodlaube. Vor Jahren konnte man dort gut und gepflegt zu angemessenen Preisen essen. Da war sogar ein Wirt, bei dem man nach der Liberalisierung der Einfuhr Weissweine aus Ländern degustieren konnte, wo viele nicht einmal vermuteten, dass dort Wein angebaut wird. Aber mit den Jahren ging das Lokal den Weg vieler anderer, nämlich bergab als Pizzeria, die industrielle Tiefkühlprodukte via Mikrowelle auf den Tisch brachte. Solche Entwicklungen sind seit Jahren europaweit zu beobachten. Trotzdem bricht hier jedes Mal, wenn ein Restaurant die Türen schliesst das grosse Wehklagen aus. 

 

Die Gesuchsteller haben die Zeichen der Zeit erkannt und beabsichtigen jetzt, das Restaurant umzubauen und im Erdgeschoss zum Wohnen und Arbeiten einzurichten. Das Bundesamt für Wohnungswesen verfolgt die Entwicklung der Kernzonen in den Schweizer Städten seit vielen Jahren und empfiehlt solche Umnutzungen. Auch aus ökonomischer Sicht ist es allemal besser, Sockelgeschosse umzunutzen als leer stehen zu lassen. Das haben einige Liegenschaftsbesitzer in Rheinfelden noch immer nicht erkannt. Den inovativen Gesuchstellern wünsche ich Erfolg und gutes Gelingen.

 

Darüber hinaus wird im 'Fall Engel' ein weiteres positives Signal gesetzt: Die Altstadt Rheinfelden ist nicht "am Absterben", wie in der Bewohnerumfrage 2018 behauptet wurde. Im Gegenteil, sie lebt, aber vielleicht ein bisschen anders als sich das Leute vorstellen, die in den geschützten Aussenquartieren leben, in denen es nicht einmal einen Quartiertreffpunkt gibt, geschweige denn ein Café oder sogar ein Restaurant. Es scheint, dass die dort lebenden Menschen das so wollen. Viele 'Anwesen' verbarrikadieren sich hinter Stelen und hohen Hecken, alles ist pflegeleicht bekiest. Frei herumlaufende Menschen trifft man dort kaum an. Diese Aussenquartiere sind zwar nur halbtot. Dagegen ist die Altstadt lebendig und dort bewegt sich etwas.

 

Übrigens: Wer mehr über die Bewohnerumfrage 2018 wissen möchte, wende sich an die Gemeindekanzlei oder an den Gemeinderat. Empfehlung: Darauf bestehen, auf Fragen eine nachvollziehbare und belegbare Antwort zu bekommen und nicht abwimmeln zu lassen.

 

Beat Schärer, Altstadt