Lichtblick beim REK

Zum 1. Februar luden die Gemeinden Möhlin und Rheinfelden im Rahmen der Mitwirkung am "Räumlichen Entwicklungskonzept" - kurz REK - die Bevölkerung zu einem Workshop in die Mehrzweckhalle Fuchsrain ein. Die an die Rheinfelder Bevölkerung gerichtete Dokumentation, verfasst von sa_partners sorgte in den letzten Wochen für ein gewisses Unbehagen: Die vielen im Schlussbericht verwendeten Fachausdrücke sind nun einmal den "Normalbürgern" nicht geläufig und wurden im Dokument auch nicht in einem Glossar oder mit Fussnoten in die allgemein verständliche Sprache übersetzt. 

Ich fuhr deshalb mit gemischten Gefühlen nach Möhlin, war aber fest entschlossen, wenn nötig Fragen zu stellen. Was ich dann am Veranstaltungsort antraf, überraschte mich positiv, und wohl auch die anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Es ging um das Areal zwischen der Industrie- /Riburgerstrasse im Westen und Norden, den bebauten Siedlungsrand von Möhlin-Riburg im Osten und der Eisenbahnlinie im Süden. Im REK-Prozess wird das Gelände "ESP / WSP Rheinfelden-Ost / Möhlin" genannt. ESP steht für Entwicklungsschwerpunkt. Mitten durch das Areal verläuft die Grenze zwischen Möhlin und Rheinfelden. Spannend fand ich vor allem:

  • Auf dem Areal soll ein ganz neues Quartier mit Mischnutzung (z. B. Mittelschule für das Fricktal, Wohnen, Dienstleistungen, Gewerbe) entstehen.
  • Zwei Gemeinden spannen zusammen, um das Neue grenzüberschreitend zu entwickeln. Das ist ganz im Sinn der kantonalen Raumplanung.

Dr. Joëlle Zimmerli moderierte den Workshop. Sie ist u. a. Soziologin und kennt die Schnittstellen, die manchmal zwischen gesellschaftlichen und raumplanerischen Prozessen zu Spannungen führen bestens. Ich empfand ihre Einführung zum Workshop als Lichtblick in der laufenden Mitwirkungsphase. Die Präsentation von Joëlle Zimmerli verstand sogar ich. Für drei Stunden vergass ich das Mitwirkung-Exemplar einfach. Die Zäsur wirkte befreiend, irgendwie spürte ich den Schwung, den echte Partizipation verleihen kann.

Ohne minimale Vorgaben kann ein Workshop, an dem Ideen für die Gestaltung eines grossen, völlig neuen Quartiers entwickelt werden sollen zwar nicht auskommen. Aber die waren minimal. Selbst über die Grenze des Planungsareals durften die Teilnehmer hinausschauen und zumindest Vorschläge für mögliche Anbindungen an die Umgebung einbringen.

Mit viel Enthusiasmus wurde das Areal in sechs Gruppen ein Quartier "bebaut". Sechs unterschiedliche Vorschläge waren das Ergebnis. Weder Hallenbad noch ein umzäunter Hundeplatz wurde vergessen.

Allerdings: Menschen, die sich dereinst im Quartier niederlassen wollen, sind am Workshop kaum dabei; sie haben (jetzt) keine Möglichkeit, aktiv an der Gestaltung ihres künftigen Lebensmittelpunkts teilzunehmen. Darum darf nicht vergessen werden, jetzt so wenig wie möglich festzuschreiben und den künftigen Bewohnern so viel Gestaltungsraum wie möglich offen zu lassen.

Der einzige Schatten des Anlasses: Alle die, die nicht gekommen sind. War das Nachdenken über ein zukünftiges Quartier zu abstrakt? Verhinderten eingefahrene Geleise eine Teilnahme? Oder war es einfach Bequemlichkeit? Wer nicht da war, soll sich nachher bitte nicht darüber beklagen, dass man sowieso nichts machen könne. Man kann, wenn man will. Ich habe in den drei Stunden viel gelernt. 

 

Beat Schärer, Rheinfelden

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