Das Ärgernis der Fricktaler Waldwirtschaft

Die Art und Weise, wie der Wald bewirtschaftet wird, wird vom Bözberg bis Rheinfelden mit Befremden beobachtet. Nicht erst seit dem niederschlagsarmen Sommer 2019 und dem darauf felgenden Befall durch den Borkenkäfer. Schon vorher meldeten sich immer wieder kritische Stimmen dazu. Vor wenigen Tagen auch die von Jürg Keller.

 

Eigentlich ist man sich einig: Der Wald wird im Zuge der Klimaerwärmung immer wichtiger als Nah-Erholungsraum in der engen Schweiz. Der Wald im Fricktal merkt aber nichts von dieser Einsicht: Seine Verunstaltung schreitet konsequent voran.

Es gäbe Bewirtschaftungsformen, die Ökonomie und Ökologie des Waldes unter einen Hut brächten. Die Beispiele dazu sind mit den Binding-Preisen (für vorbildliche Waldbewirtschaftung) fundiert dargestellt worden. Es gibt immer mehr Stimmen, die endlich eine verträgliche Waldbewirtschaftung fordern: „Pro Bözberg“ ist nicht die einzige Vereinigung, die die gegenwärtige Waldverunstaltung jährlich kritisiert. Kürzlich hat sich auch der Naturschutzverein Möhlin deutlich zur “Verkafelung“ unserer Wälder vernehmen lassen, Diverse Leserbriefe  werden immer deutlicher. Nur: Die Forstwirtschaft lässt sich durch nichts beeindrucken: Ihre Lernresistenz ist beeindruckend. Mit schwerem Gerät wird der Wald grossflächig abgeholzt und durchlöchert wie ein Emmentalerkäse. Es ist, als müsste der Wald seine Bäume opfern, nur damit das schwere Geräte eingesetzt werden kann: Amortisation als Rodungsgrund.

Man wundert sich, wie die über die tiefen Holzpreise jammernden Waldbesitzer (meistens Ortsbürgergemeinden) zu ihrem Maschinen-Geld kommen: Das Defizit nimmt mit den Vollerntern nicht ab, die Waldverunstaltungen aber deutlich zu: Wer in Rheinfelden die neuen Kahlschläge besucht, staunt über die kriegsähnlichen Grosstaten: Im Stadtwald bei den Bahngeleisen, im Chleigrüt-Graben, im Beuggerboden ist gründlich ausgeräumt worden (s. Fotos vom 2.4.).

Die Misere hält sich so hartnäckig, dass man ihr endlich auf den Grund gehen muss:

Die Forstorgane stehen im Dienst der Waldeigentümer (Ortsbürgergemeinden), und diese führen sich im Fricktal auf wie ein Staat im Staat. In Rheinfelden bestimmen etwa 333 Ortsbürger über den Wald. Die Waldrechnung scheint – neben ein paar Ruhebänken – das einzige Bewirtschaftungskriterium zu sein. Die 7200 Normalbürger haben nicht die Spur von einer Einflussmöglichkeit – es sei denn, sie wählen einen Gemeideammman, der vom Wald etwas versteht und als Chef der Ortsbürger diesen auch ins ökologische Gewissen zu reden wagt. Daran scheint es im Fricktal aber zu fehlen: Die Wahlen von 2021 wären eine Chance, die Verunstaltungen im Wald auszubremsen.

Die Zeit scheint jetzt reif, die Existenzberechtigung der Ortsbürgegemeinden zu hinterfragen: Diese sind ein Relikt aus dem 17. Jahrhundert , oder noch älter. Traditionen soll man zwar ehren, man kann dies aber auch übertreiben. Spätestens seit 1976 haben die Ortsbürgergemeinden keine bindenden Pflichten mehr, weswegen beispielsweise der Kanton Zürich (und weitere 11 Kantone!) sie auch aufhoben. Damit wurde dort der Wald zum Gemeindeeigentum, womit er in die demokratisch richtigen Hände kam. Die heutigen Missstände im Wald zeigen jedenfals deutlich, dass die Ortsbürgergemeinden im Fricktal keine zeitgemässen Waldeigentümer mehr sind.

 

Jürg Keller, Rheinfelden

(Bilder: Jürg Keller)

 

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